Ernst Barlach – Käthe Kollwitz Über die Grenzen der Existenz

6. Oktober bis 29. November 2015

Moderna Galerija Zagreb

 

Unterstützt durch:

Supported by:

Durch die Industrielle Revolution ändern sich im 19. Jahrhundert die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zustände radikal. Die technischen und wissenschaftlichen Erfindungen und die daran geknüpften Umgestaltungsprozesse führen Europa in ein neues Zeitalter. Damals schien die Welt aus den Fugen zu geraten. Überall machten sich Künstler und Schriftsteller ans Werk, das Ungeheuerliche in Worte und Bilder zu fassen und dem Menschen eine neue Heimat in dieser Zeit zu geben. „Gott ist tot“ hatte Nietzsche 1882 proklamiert und es fiel ein Weltbild in sich zusammen, das Jahrhunderte Orientierung geboten hatte. Jetzt mussten neue Werte und Ziele definiert werden, die weder für Ernst Barlach (1870-1938) noch für Käthe Kollwitz (1867-1945) in den blinden Fortschrittsattributen „größer, schneller, besser und mehr“ zu finden waren. Im Gegenteil. Schon früh konzipierten beide ihre künstlerische Arbeit im Widerspruch zu einer als kalt empfundenen, vom Materialismus und Rationalismus geprägten Wirklichkeit.

 

Der „neue Mensch“, die „neue Welt“, die „neue Zeit“ waren Leitmotive, die in Literatur und Kunst den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert und insbesondere die Generation der Expressionisten in Deutschland begleiteten. Beide, Ernst Barlach wie auch Käthe Kollwitz, sind Einzelgänger in der Kunstszene dieser Zeit. Käthe Kollwitz hat schon sehr früh ihre Kunst in den Dienst einer konkreten gesellschaftlichen Verantwortung gestellt und hat eine Fülle von sozialrevolutionären Werken geschaffen. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit steht das Proletariat, stehen jene Menschen, die im Schatten des Fortschritts in ärmsten Verhältnissen leben und täglich um ihre Existenz ringen. In realistischer und appellativer Bildsprache klagt sie eine Wirklichkeit an, die solche Ungerechtigkeiten zulässt.

 

Während das Werk der Käthe Kollwitz von einer engagierten diesseitigen, auf die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse ausgerichteten Sichtweise und Zielperspektive konzentriert ist, lässt sich Ernst Barlach durchaus treffend als Mystiker der Moderne beschreiben. Ihm ging es, abgesehen von seinem Frühwerk, nie um die naturalistische Abbildung der Realität. Die Menschenbilder von Ernst Barlach tragen wenige individuelle Merkmale. Sie verkörpern Zustände des Seins, sind Ausdruck einer über den Zustand der Welt hinauswollenden geistigen Orientierung. In Barlachs Schaffen aber nimmt die Kritik des Materialismus in der modernen Welt einen so dezidierten Stellenwert ein, dass auch seine Position als gesellschaftlich engagierter Künstler der klassischen Moderne außer Frage steht.

 

Ist das Werk der Käthe Kollwitz auf den ersten Blick vehement bestimmt von der Darstellung der Grenzen der Existenz, so visualisieren die Figuren von Ernst Barlach das über die Grenzen Hinauswollende. Beide freilich sahen die Aufgabe ihrer Kunst darin, die Welt aus einem tiefen humanistischen Verständnis heraus zu verändern. Den Krieg zu mahnen und sich für den Frieden zu engagieren, blieb dabei sicherlich der größte Verdienst beider Künstler.

 

Über die Grenzen der Existenz wollten Barlach wie Kollwitz in ihren Werken hinausgehen und ebenso auf diese Grenzen hinweisen. Die Werke beider Künstler widersprechen sich nie, sondern ergänzen und erweitern sich gegenseitig und berühren uns heute nach wie vor. Die aktuellen Debatten um soziale Verantwortung, Armut und Reichtum, Empathie und politisches Engagement sind darin aufgehoben, ebenso wie die Sinnsuche des Menschen in der globalen von Krisen geschüttelten Gegenwart.

 

6. Oktober bis 29. November 2015

 

Moderna Galerija Zagreb

Andrije Gebranga 1

Zagreb/ Kroatien

www.moderna-galerija.hr

 

©  2016 Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg e.V. Mühlenstraße. 1, 22880 Wedel                                                                                                                                Anfahrt Kontakt  |  Impressum  |  Sitemap