Werke

Ernst Barlachs Werke

 

Der Bildhauer, Zeichner und Dichter Ernst Barlach (1870-1938) gehört zu den wichtigsten Künstlern des deutschen  Expressionismus.

 

Während viele seiner Zeitgenossen entweder von der Exotik entlegener Paradiese oder aber der direkten politischen Aktion träumten und dabei vielfach den Weg in die Abstraktion gingen, konzentrierte sich Ernst Barlach auf das einfache, das unverfälschte, das archaische Bild vom Menschen, das er in eine Fülle figurativer Formen übersetzt hatte.

 

Die ersten gültigen Vorbilder für seine Kunst fand er 1906 auf einer Reise in das südliche Russland. Dort lebten Bauern und unverstellte, einfache Menschen in bescheidenen Verhältnissen. Vor allem begegnete ihm dort aber die Figur des Bettlers, des von allen materiellen Bindungen gelösten Menschen, der für Ernst Barlach zu einem Symbol der menschlichen Existenz schlechthin werden sollte. Barlach verstand den Bettler in erster Linie als Symbol gegen die materielle Gier und blinde Fortschrittsgläubigkeit seiner Zeit, denn er war überzeugt, dass Wissenschaft und Rationalität allein die drängenden Zukunftsfragen des Menschen nicht beantworten können.

 

Die Figuren Ernst Barlachs sind still, kritisch, ernst und meditativ. Sie zwingen zum Innehalten und Beiseitetreten in einer beschleunigten und höchst gefährdeten Welt. Ihre Besonnenheit und Konzentration ebenso wie ihre Gebärde des sich Auflehnens, der innere Kampf für das Werden einer besseren Welt, haben an Aktualität nichts verloren. Für ihn war die Identität des modernen Menschen nur als Dialog mit dem Archaischen und Spirituellen zu verstehen, einem Dialog, der Verletzlichkeit, Schmerz, Trauer und Zweifel seiner Zeit mit einbezog und dennoch die Hoffnung auf eine bessere Welt aufrecht erhielt.

 

Alle Menschenbilder Ernst Barlachs, die Bauern und Bettler, die Propheten und Zweifler, die einsamen, stillen und lauschenden Figuren, die einfachen Frauen- und Männergestalten, die Musizierenden, die Betenden, Fragenden und Suchenden, tragen eine spirituelle Orientierung als persönliches Geheimnis in sich, das am ehesten mit dem Begriff der Mystik zu beschreiben ist. In ihrer Schlichtheit und einfachen Verständlichkeit sind sie in der Lage, alle sprachlichen und kulturellen Grenzen zu überwinden und Menschen jeglicher Herkunft direkt zu berühren. Deshalb muss Ernst Barlach heute als Botschafter einer tiefen und glaubwürdigen Humanität betrachtet werden, der unsere Fragen und Zweifel begleitet und über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus zur Diskussion stellt.

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