Ernst Barlach - Gestalten einer besseren Zukunft

14. Dezember 2015 bis 26. März 2016

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Ernst Barlach

Gestalten einer besseren Zukunft

 

Ernst Barlach (1870-1938) ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler des

20. Jahrhunderts. Seine plastischen Arbeiten, Zeichnungen und Graphiken befinden sich in Sammlungen und Museen auf der ganzen Welt. Insbesondere das „Güstrower Ehrenmal“, der schwebende Engel, wurde international zu einem der berühmtesten Mahnmale gegen den Krieg. In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland galt Barlachs Kunst als „entartet“ und über 400 seiner Werke wurden beschlagnahmt, abgebaut und teilweise zerstört.

 

Unter den deutschen Expressionisten war Barlach ein Einzelgänger. Wenn er konnte, mied er die Großstadt, blieb Ausstellungsfeiern und selbst, als sehr erfolgreicher Dramatiker, den meisten Uraufführungen seiner Stücke fern. Er liebte die Einsamkeit, die unberührte Natur und lebte 30 Jahre zurückgezogen in einer ländlichen Gegend Norddeutschlands.

 

Den blinden Wohlstandsversprechen seiner Zeit misstraute er. Unter Fortschritt verstand der Künstler den Weg in eine menschliche, von ethischen und geistigen Qualitäten geprägte Zukunft. So waren es zunächst Bauern und Bettler, Vagabunden und Suchende, einfache, einsame, zweifelnde und in sich hineinlauschende Gestalten, mit denen er der Verherrlichung von Technik, Rationalismus und Materialismus begegnete. Sie rebellierten gegen die rasante Beschleunigung der frühen Industriegesellschaft.

 

Unerbittlich stellte der 1. Weltkrieg die abgründige Seite der Moderne unter Beweis: Das Streben nach größer, schneller, besser und mehr hatte über 12 Millionen Menschen das Leben gekostet, nicht nur an den Fronten, sondern auch in der Zivilbevölkerung. Für Barlach gab es nach diesem Krieg keine Sieger und keine Helden, nur Verlierer. So wurde er in den kommenden Jahrzehnten nicht müde, den Krieg zu mahnen und sich für den Frieden zu engagieren. Dabei sind es aber nicht nur die trauernden und elenden, sondern auch die schönen und hoffnungsvollen Gestalten, die Sänger, die Musizierenden und Träumenden, die über den Zustand der Welt hinauswollen.

 

Ohne dass der Künstler die kommenden Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts vorhersehen konnte, geschweige denn die Folgen der Globalisierung, die wirtschaftlichen und ökologischen Krisen, die unsere Gegenwart bedrohen, so steht das Werk Ernst Barlachs doch bis heute kraftvoll, mahnend, tröstend und unausweichlich für die Umgestaltung unserer Welt ein. Zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch war seine künstlerische Arbeit dieser Vision gewidmet, wie er 1908 schrieb: „Wenn ich nachts liege, und die Finsterniskissen mich drücken, dann drängt sich zuweilen um mich klingendes Licht, sichtbar meinen Augen und meinen Ohren hörbar. Und da stehen dann die schönen Gestalten einer besseren Zukunft um mein Lager. Noch starr, aber von herrlicher Schönheit, noch schlafend - aber wer sie erweckte, der schüfe der Welt ein besseres Gesicht.“

 

Die Ausstellung „Ernst Barlach – Gestalten einer besseren Zukunft“ präsentiert mit mehr als 100 Arbeiten alle Schaffensphasen des Künstlers in ihrem historischen Kontext, darunter auch Monumentalwerke wie das „Güstrower Ehrenmal“ und den „Bettler“. Im Dialog mit der Malerei des spanischen Neoexpressionisten Jorge Rando bietet die Ausstellung Raum zum Nachdenken, Innehalten und Gewahrwerden. Sie initiiert eine besondere Qualität der Erinnerungsarbeit und interkulturellen Verständigung von historischen zu gegenwärtigen Fragestellungen.

 

Eine Ausstellung der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Museum Jorge Rando Málaga vom

14. Dezember 2015 bis 26. März 2016.

Wir danken allen Leihgebern, ganz besonders der Ernst Barlach Lizenzverwaltung Ratzeburg und den Ernst Barlach Museen in Wedel und Ratzeburg.

 

 

Ernst Barlach - Figures of a Better Future

 

 

Ernst Barlach

Figures of a Better Future

 

Ernst Barlach (1870-1938) is one of the most important German artists of the

20th century. His sculptures, drawings and graphics can be found in collections and museums all around the world. The "Güstrow Memorial", the floating angel, became one of the world's most renowned war memorials. During the National Socialist era in Germany, Barlach's work was considered "degenerate art" and more than 400 of his works were confiscated, dismantled and partially destroyed.

 

Among the German expressionists Barlach was a loner. As much as possible he avoided the city, remained exhibitions and, even as very successful playwright, most premieres of his plays absent. He loved solitude, the unspoiled nature and lived 30 years reclusively in a rural area of northern Germany.

 

He didn’t trust the blind prosperity promises of his time. By progress the artist understood the way to a human future, marked by ethical and spiritual qualities. So there were initially peasants and beggars, vagabonds and seekers, simple, solitary, doubting and inner listening figures with whom he was facing the glorification of technology, rationalism and materialism and rebelled against the rapid acceleration of the early industrial society.

 

The aggression and destructive possibility of the scientific- technological age was revealed by 1st World War (1914-1918). The quest for bigger, faster, better and more had cost over 12 million lives, not only at the front, but also in the civilian population. To Barlach, after this war, no winners and no heroes, only losers showed up. Thus, he never tired of reminding the war and committing himself to peace during the coming decades. However, it is not only about the mourning and miserable, but also about the beautiful and hopeful figures, singers, musicians and dreamers that are driving beyond the state of the world.

 

Without the artist might having been able foreseeing the upcoming wars of the 20th and 21st century, let alone the consequences of globalization, the economic and ecological crises threatening our presence, nevertheless the work of Ernst Barlach stands strong, admonishing, comforting and inevitable for reformation of the world. Between heaven and earth, God and man his artistic work was devoted to this vision, as he wrote in 1908: "When I'm lying down at night, enveloped by the pillows of darkness, I sometimes feel urged by a resounding light, visible to my eyes and heard by my ears. And then the beautiful figures of a better future are around me. Nor rigid, but by glorious beauty, still asleep - but who awakened them would create the world a better face."

 

By more than 100 works, the exhibition "Ernst Barlach – Figures of a Better Future" presents all periods of his artistic creation within historical context, including monumental works like the "Güstrow Memorial" and the "Beggar". In dialogue with the painting of Spanish Neo-Expressionist Jorge Rando, the exhibition offers space for rethinking, slowing down and increasing awareness. It initiates a special quality of commemorative work and intercultural understanding from historical to current issues.

 

The exhibition is realized by Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in cooperation with Museum Jorge Rando Málaga. Thanks to the support of all private and public lenders, especially to Ernst Barlach Lizenzveraltung Ratzeburg, Ernst Barlach Museum Wedel and Ernst Barlach Museum Ratzeburg.

 

 

 

 

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