Ernst Barlach — Der Zweifler, Gestalten einer besseren Zukunft

 Juni 13 - September 13, 2015

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Ausstellung zur Biennale Venedig 2015

in der Comunità Evangelica Luterana di Venezia

 

 

Die Ausstellung Ernst Barlach - Der Zweifler wird realisiert von der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in Kooperation mit der Evangelisch Lutherischen Gemeinde Venedig als unabhängiger Beitrag zur 56. Biennale di Venezia, die unter dem Thema steht: All the World‘s Futures.

 

Die Ausstellung ist konzipiert als Beitrag zur Biennale, weil sich im Werk Ernst Barlachs Fragestellungen von Gegenwart und Zukunft im Rückblick auf die historischen Weichenstellungen zu Beginn der Moderne exemplarisch darstellen und diskutieren lassen. Zugleich stehen seine Bildwerke für ein hohes Maß an Solidarität und Verantwortung.

 

Die Ausstellung bietet Raum zum Nachdenken, Innehalten und Gewahrwerden der historischen Dimensionen von All the World‘s Futures. Sie initiiert eine besondere Qualität der Erinnerungsarbeit und interkulturellen Verständigung von historischen zu gegenwärtigen Fragestellungen.

 

Es ist der Mensch, den Ernst Barlach in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, der Mensch mit seinen Ängsten, Sorgen und Zukunftsfragen, die bis heute aktuell sind. „Meine künstlerische Muttersprache ist nun mal die menschliche Figur oder das Milieu, der Gegenstand, durch das oder in dem der Mensch lebt, leidet, sich freut, fühlt, denkt“, schrieb Barlach 1911. Darüber komme ich nicht hinaus. Was der Mensch gelitten hat und leiden kann, seine Größe, seine Angelegenheiten, inklusive Mythos und Zukunftstraum.“

 

In der über zwei Meter großen „Bettlergestalt“ von 1930, die Ernst Barlach als Fassadenfigur in der Reihe „Gemeinschaft der Heiligen“ für die Lübecker Katharinenkirche entworfen hatte, artikulierte der Künstler das Gegenbild eines zunehmend materiell orientierten Fortschrittsdenkens. Auch heute ist der Bettler, sind die Menschenbilder von Ernst Barlach eine Herausforderung für jeden Betrachter: „So sind wir Menschen“, schrieb Barlach, „alle Bettler und problematische Existenzen im Grunde. Darum mußte ich gestalten, was ich sah, und natürlich wuchs in mir unter den Leidenden ein brüderliches Gefühl.“

 

Dieses Mitgefühl trägt alle Gestalten von Ernst Barlach, die Bauern und Bettler, die Musizierenden, Lesenden, Träumenden und Hoffenden ebenso wie die Verzweifelten, die Kämpfer und Trauernden, die in Aufbruch und Ekstase, genau wie jene in tiefer Ruhe und Konzentration. Es ist Empathie, es ist das sich Hinein– und Verantwortlichfühlen für den Mitmenschen und den Zustand der Welt, wozu die Werke Ernst Barlachs auffordern, heute wie gestern. Sie sind und bleiben losgelöst von Ort und Zeit Gestalten einer besseren Zukunft, kraftvoll, mahnend, tröstend und unausweichlich.

 

Ernst Barlach ist auch als Kunstbotschafter des Reformationsjubiläums in Venedig. Die große Errungenschaft, die mit Martin Luther vor 500 Jahren verbunden wird, ist die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache und ihre Verbreitung in Wort und Bild. Darin lag sein emanzipatorischer Beitrag im Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit, dass er die selbstständige Auseinandersetzung der Menschen mit Gott initiierte, losgelöst von den kirchlichen Machtinstanzen. Indem er die Bibel in die deutsche Sprache transformierte, in eine Sprache, die „die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, der gemeine Mann auf dem Markt“ verstehen sollte, schaffte er ein neues Selbstverständnis im Menschen und forcierte den selbstständigen Dialog zwischen Mensch und Gott.

 

Wie Martin Luther sieht auch Ernst Barlach die Kraft des Wandels in der Idee der „geistigen Bruderschaft“ und wie Luther glaubt auch er nicht an die revolutionären Prozesse seiner Zeit. Die Kunst Ernst Barlachs ist getragen von der Hoffnung auf die Veränderbarkeit der Welt, „keine andere Welt, sondern diese Welt anders; kein Leben im Himmel, sondern den Himmel auf Erden; kein Ende der Zeit, sondern ein Ende des Leids in einer Zeit ohne Ende“ (Klaus Koenen).

 

Die Comunità Evangelica Luterana di Venezia ist die älteste lutherische Gemeinde Italiens und eine der ältesten außerhalb Deutschlands. Schon vor den ersten Veröffentlichungen Martin Luthers findet reformatorisches Gedankengut Interesse in der Lagunenstadt. Im Kerngebiet der „Serenissima Repubblica“ empfindet die venezianische Bildungsschicht ein starkes Bedürfnis nach Erneuerung von Kirche und Gesellschaft. Als die Inquisition 1542 einsetzt, schreibt Luther zwei Briefe der Ermutigung an die evangelisch Gesinnten vor Ort. Von nun an ist das neue Denken nicht mehr auszulöschen, auch wenn seine Anhänger für fast 300 Jahre in den Untergrund gehen müssen.

 

Ernst Barlach – Der Zweifler ist eine Ausstellung der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in Kooperation mit der Comunità Evangelica Luterana di Venezia. Hauptförderer sind der VAH, Verein Ausstellungshaus christliche Kunst e.V. München und Luther 2017. Weiterhin wird die Ausstellung unterstützt vom Deutschen Generalkonsulat Mailand und von der Vereinigten ev.-luth. Kirche Deutschlands (VELKD).

 

Comunità Evangelica Luterana di Venezia

Campo Ss. Apostoli, Cannaregio

Tel.: +39 0498668929

Email: venezia@chiesaluterana.it

www.kirche-venedig.de

www.chiesa-venezia.it

 

Ernst Barlach - The Skeptic, Figures of a better future

June 13 to September 13, 2015

 

Exhibition for the Venice Biennial 2015

in the Comunità Evangelica Luterana di Venezia

 

The exhibition Ernst Barlach - The Skeptic is organized by Ernst Barlach Association Hamburg, in cooperation with the Comunità Evangelica Luterana di Venezia, as an independent contribution to the 56th Venice Biennial, focusing the theme: All the World‘s Futures.

 

The exhibition is highlighting and arousing the debate around present and future issues in consideration of the historic crossroads at the beginning of modern times. At the same time, Barlach’s works radiate a strong sense of solidarity and responsibility.

 

The exhibition provides an opportunity for reflection, pause and awareness of the historical dimensions of All the World's futures. It provokes a special quality of reminiscence and intercultural understanding from historical to current issues.

 

Ernst Barlach puts man at the center of his work, man with his fears, concerns and questions about the future, all issues that remain relevant today. "My artistic mother tongue happens to be the human figure, or the environment, the object through which or in which the person lives, suffers, rejoices, feels, thinks", Barlach wrote in 1911. "I do not extend beyond that. What man has suffered and can suffer, his greatness, his affairs, including myths and dreams for the future."

 

In the more than two meter high "beggar character" of 1930, created by Ernst Barlach as a façade figure in the "communion of saints" series for the St. Catherine's Church in Lübeck, the artist articulated the antithesis to an increasingly materialism-oriented progressive thinking. Even today, the beggars, the images of man portrayed by Ernst Barlach, are a challenge to the observer: "We human beings," wrote Barlach, "are essentially all beggars and our existence is problematic. That's why I had to create what I saw, and of course, among all the sufferers, a fraternal feeling grew in me."

 

This compassion shines through in all the figures Ernst Barlach created, from the peasants and the beggars, those playing music, the readers, dreamers and hopeful ones to the desperate, the fighters and the mourners, the ones in awakening and ecstasy, and those in deep peace and concentration. As much today as in the past, Ernst Barlach's work evokes empathy, the capacity to feel for fellow human beings, to feel responsible for them and for the state of the world. Detached from time and space, they are and remain figures of a better future, powerful, admonishing, comforting and inevitable.

 

Ernst Barlach is also in Venice as an art-ambassador of the Reformation Anniversary. Martin Luther's great accomplishment 500 years ago was the translation of the Bible into the German language, and its dissemination in words and images. It was this that formed his emancipatory contribution to the transition from the late Middle Ages to modern times, that he initiated the independent relationship between man and God, away from the powerful grasp of the church. By transforming the Bible into German, and in a language that "the mother at home, the children in the street, and the common

man in the market" would understand, he created a new self-image in people and forced the independent dialogue between man and God.

 

Just as with Martin Luther, for Ernst Barlach the power of change lies in the idea of "spiritual brotherhood", and like Luther, he does not believe in the revolutionary processes of his time. The art of Ernst Barlach relies on the hope that the world can be changed, not "another world, but this world, differently; no life in heaven, but heaven on earth; no end of time, but an end of suffering in a time without end." (Klaus Koenen)

 

The Comunità Evangelica Luterana di Venezia is the oldest Lutheran congregation in Italy and one of the oldest outside Germany. Even before the first publications of Martin Luther, reformatory ideas attracted interest in the lagoon city. In the center of the "Serenissima Repubblica", the Venetian educated classes felt a strong need for renewal of church and society. When the Inquisition started in 1542, Luther wrote two letters of encouragement to the Protestant-minded people here. From then onwards, the new thinking could not be extinguished, even when most of its followers had to go underground for almost 300 years.

 

Ernst Barlach - The Skeptic is an exhibition of Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in cooperation with the Comunità Evangelica Luterana di Venezia. It is  mainly sponsored by the VAH, Verein Ausstellungshaus christliche Kunst e.V. Munich and by Luther 2017. Further on financial support is given by German General Consulate Milan and United Evangelical Church of Germany (VELKD).

 

Comunità Evangelica Luterana di Venezia

Campo Ss. Apostoli, Cannaregio

Tel.: +39 0498668929

Email: venezia@chiesaluterana.it

www.kirche-venedig.de

www.chiesa-venezia.it

 

Opening times: Wednesday to Monday 4 pm - 8 pm (Tuesday closed)

 

Ernst Barlach – Lo scettico, Figure di un futuro migliore

Dal 13 giugno al 13 settembre 2015

 

Mostra per la Biennale di Venezia 2015

nella Comunità Evangelica Luterana di Venezia

 

La mostra Ernst Barlach – Lo scettico è realizzata dalla Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in cooperazione con la Comunità Evangelica Luterana di Venezia come contributo indipendente alla 56ª Biennale di Venezia il cui tema è All the world’s futures.

 

La mostra rivela nell’opera di Ernst Barlach come si possano rappresentare e discutere in maniera emblematica problematiche del presente e del futuro con uno sguardo retrospettivo al crocevia storico all’inizio dell’era moderna. Allo stesso tempo le sue opere rappresentano un alto grado di solidarietà e responsabilità.

 

La mostra offre spazio per riflettere, fermarsi a contemplare e percepire le dimensioni storiche di All the world’s futures. Essa dà inizio a una particolare qualità del lavoro del ricordo e della comprensione interculturale su problematiche che vanno dal passato al futuro.

 

È l’essere umano che Barlach mette al centro del suo lavoro, l’essere umano con le sue paure, le sue preoccupazioni e le domande sul futuro ancora attuali oggi. «La mia madrelingua artistica è la figura umana o l’ambiente, l’oggetto attraverso il quale o nel quale l’essere umano vive, soffre, si rallegra, prova emozioni, pensa» scrisse Barlach nel 1911. «Non vado più in là. Quello che l’essere umano ha sofferto e può soffrire, la sua grandezza, le sue faccende, compresi il mito e il sogno del futuro».

 

Nella Figura di mendicante, alta più di due metri, del 1930, che ha progettato come figura per la facciata della serie Comunità dei santi per la chiesa di Santa Caterina a Lubecca, l’artista ha articolato la controimmagine di un modo di pensare il progresso orientato sempre più materialmente. Ancora oggi il mendicante, i personaggi di Ernst Barlach sono una sfida per qualsiasi osservatore: «Ecco come siamo noi umani» scrisse Barlach «tutti mendicanti e in fondo esistenze problematiche. Per questo ho dovuto formare ciò che vedevo e naturalmente è cresciuto in me un sentimento fraterno per i sofferenti».

 

Questa partecipazione emotiva è quello che fino ad oggi sostiene le figure di Barlach, i contadini e i mendicanti, chi fa musica, chi legge, chi sogna e chi spera, così come chi è disperato, i lottatori e coloro che sono in lutto, chi lotta per il cambiamento ed è nell’estasi, così come chi si trova in profonda calma e concentrazione. È l’empatia, un immedesimarsi e un sentirsi responsabili per il prossimo e lo stato del mondo a cui sfidano le opere di Ernst Barlach, oggi come ieri. Sono e rimangono, avulse dal luogo e dal tempo, figure di un futuro migliore; vigorose, ammonitrici, consolatorie e ineluttabili.

 

Allo stesso tempo Ernst Barlach è anche ambasciatore artistico dell’anniversario della Riforma a Venezia. La grande conquista di 500 anni fa che è legata a Martin Lutero è la traduzione della Bibbia in lingua tedesca e la sua diffusione in parole e immagini. In questo è consistito il suo contributo emancipatore nel passaggio dal tardo Medioevo

all’era moderna, nel fatto che egli diede inizio al confronto autonomo dell’individuo con Dio, senza tenere conto delle istanze del potere ecclesiastico. Trasformando la Bibbia in lingua tedesca, in una lingua che doveva essere capita "dalla madre in casa, dai bambini in strada, dal popolo al mercato" creò nell’individuo una nuova immagine di se stesso e accelerò il dialogo autonomo tra l’individuo e Dio.

 

Così come Martin Lutero, anche Ernst Barlach vede la forza del cambiamento nell’idea della “fratellanza spirituale” e così come Lutero non crede nemmeno lui ai processi rivoluzionari della sua epoca. L’arte di Ernst Barlach è sostenuta dalla speranza nella trasformabilità del mondo, “non un altro mondo, bensì questo mondo, ma diverso; non una vita in cielo, bensì il cielo sulla terra; non una fine del tempo, bensì una fine della sofferenza in un tempo senza fine” (Klaus Koenen).

 

La Comunità Evangelica Luterana di Venezia è la comunità luterana più vecchia d’Italia e una delle più vecchie al di fuori della Germania. Già precedentemente alle prime pubblicazioni di Martin Lutero, le idee riformatrici riscontrano interesse nella città lagunare. Nel centro della “Serenissima Repubblica” il ceto culturale veneziano prova un forte desiderio di rinnovamento della Chiesa e della società. Quando nel 1542 inizia l’Inquisizione, Lutero scrive due lettere di incoraggiamento a chi ha convinzioni evangeliche a Venezia. Da quel momento in poi il nuovo pensiero non è più cancellabile, anche se i suoi sostenitori si dovranno nascondere per quasi 300 anni.

 

Ernst Barlach – Lo scettico è una mostra della Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in cooperazione con la Comunità Evangelica Luterana di Venezia. I principali promotori sono il VAH, Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V. München [Società casa espositiva per l’arte cristiana, Monaco] e Luther 2017. Inoltre la mostra è sostenuta dal Consolato generale di Germania di Milano e dalla Chiesa unita evangelico-luterana di Germania, VELKD.

 

Comunità Evangelica Luterana di Venezia

Campo Ss. Apostoli, Cannaregio

Tel.: +39 0498668929

email: venezia@chiesaluterana.it

www.kirche-venedig.de

www.chiesa-venezia.it

 

Orario Apertura: 16-20 tutti i giorni (chiuso il martedì)

 

 

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